Klarheit über die eigenen Ziele

Klarheit über die eigenen Ziele und Prioritäten, schützt vor Fremdbestimmung und davor hinter den Erwartungen anderer herzulaufen.
Unternehmen verschmelzen, werden einer größeren Umstrukturierung unterzogen, oder stehen im schlimmsten Fall vor der Schließung. Das alles geht nicht von heute auf morgen, dennoch ist zu beobachten, dass viele Menschen bei drohender Gefahr den Kopf in den Sand stecken. Zugegeben für zahlreiche Mitarbeiter ändert sich vielleicht auch gar nicht viel, für manchen verbessert sich die Lage durch die Veränderung sogar. Aber für viele Menschen sind Fusionen oder Umstrukturierungen tatsächlich bedrohlich. In der Regel fallen bei großen Veränderungen Arbeitsplätze weg oder Aufgaben ändern sich grundlegend.

Wer nicht weiß, wohin er will, muss sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt.
– Mark Twain

Mitarbeiter die bei Veränderung den Kopf in den Sand stecken, vertrödeln wertvolle Zeit. Der Gedanke die Ziele und Prioritäten des eigenen Lebens unter die Lupe zu nehmen wird verdrängt. Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist ein sehr komplexes und zeitaufwendiges Vorhaben. Das mag abschrecken, doch die Klarheit über die eigenen Ziele verschafft den Arbeitnehmern einen enormen Vorteil: Zu gegebener Zeit sind sie selbst in der Lage zu entscheiden, welche Ziele sie verfolgen wollen oder nicht.

 Klarheit über die eigenen Ziele durch Priorisierung

Zur näheren Klärung der Ziele eignet sich der Werdegang hervorragend, er verrät viel über ihre Prioritäten. Für welche Weichenstellung man für sich früher einmal entschieden hat, zeigt welche Sie Ziele und Prioritäten zu diesem Zeitpunkt vorherrschten. Die Erfahrung und Erkenntnis wie sich die Entscheidungen in der Praxis bewährt haben, lassen sich heute prima nutzen. Die Einsichten aus den Lebenslaufstationen lassen sich in Kategorien einreihen und priorisieren:

Was Ihnen wichtig ist/war
Was Ihnen weniger wichtig ist/war
Was Sie vermeiden möchten

Vom Minus zum Plus

Selbst wenn Menschen noch nicht wissen was sie wollen, was sie nicht wollen, wissen die meisten ziemlich genau. Dies lässt sich systematisch nutzen. Ohne langes Nachdenken wird aufgeschrieben welche Eigenschaften der Traumjob auf keinen Fall haben soll. Wenn einem nichts mehr einfällt, werden die einzelnen Punkte systematisch unter die Lupe genommen und nach Kategorien geordnet:
Art-der-Aufgabe – Arbeitsinhalte – Führungsaufgaben – Gehalt – Benefits – Aufstiegschancen – Sinn-der-Tätigkeit – Entwicklungsmöglichkeiten – Arbeitsbedingungen Arbeitszeit – Kompatibilität-mit- dem-Privatleben – Gestaltungsfreiraum  –  Einfluss  – Sonderrechte –  sozialer-Status – Risiken – Herausforderungen – Nutzen-der-Tätigkeit – Reisehäufigkeit – Mobilität  – Rahmenbedingungen

In einem nächsten Schritt wird nun Negatives in Positives „übersetzt“. Das kann anfangs recht schwierig sein, will es partout nicht gelingen, lassen Sie die Sache liegen und nehmen Sie die Liste paar Tage später wieder in Angriff.

Karriereanker

Niemand kann im Job alle Bedürfnisse unter einen Hut bringen, deswegen ist es von enormer Wichtigkeit zu erkennen wo die höchste Priorität ist.
Laut dem amerikanischen Organisationspsychologen Edgar H. Schein sind bis zu zehn Jahre Berufserfahrung nötig, bis sich ein reifes Selbstkonzept entwickelt hat. In jedem Selbstkonzept findet sich zumindest ein Element, das der Mensch selbst in Anbetracht problematischer Alternativen nicht aufgeben wird. Edgar H. Schein bezeichnet dieses Element als Karriereanker*.

KARRIEREANKER – BEDÜRFNISSE
Fachexpertentum –  Begeisterung an der Sache und an der Aufgabenstellung
Management – Mitarbeiter führen und aus übergreifender Verantwortung Ergebnisse herbeiführen
Unabhängigkeit – Arbeit nach den eigenen Vorstellungen gestalten können
Sicherheit, Beständigkeit – Berechenbarkeit im Hinblick auf Regeln und Beschäftigungssicherheit
Unternehmerische Gestaltungskraft – Freude an der (Weiter-)Entwicklung und Erprobung von Ideen
Service/Dienst an der Sache – das eigene Leben in den Dienst am Menschen oder einer Sache stellen
Herausforderung – Drang sich schwierigen Problemen und mächtigen Gegner zu stellen
Work-Life-Balance – Ausgeglichenheit zwischen Beruf und Privatleben

*Edgar H. Schein: Career Anchors – Discovering Your Real Values (Jossey-Bass/Pfeiffer)

Schon beim bloßen Durchlesen lassen sich Prioritäten für sich entdecken. Jetzt ist es an der Zeit sie zu rangreihen. Dabei ist es wichtig, dass keine Anker gleichauf ansiedelt wird. An der Spitze steht nun der dominierende Karriereanker.
Am Ende lassen sich alle Aspekte zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Was im (Berufs-)Leben für einen selbst wichtig ist nun klarer. Das schafft die Grundlage dafür, dass die Entscheidung wie es beruflich weitergeht,  selbst getroffen werden kann.